Die AfD und die Freiheit der Forschung

Das AfD-Grundsatzprogramm hat eine sehr eigenartige Vorstellung von wissenschaftlicher Freiheit. Auf S. 52 heißt es zunächst vielversprechend:

„Die Freiheit von Forschung und Lehre sind unabdingbare Grundvoraussetzungen für wissenschaftlichen Fortschritt. Deshalb müssen die Hochschulen über Art und Umfang ihres Studienangebotes frei entscheiden können. Der Wissenschaftsbetrieb muss vor ausufernden bürokratischen Regelungen geschützt werden und die Wissenschaft muss frei von ideologischen Zwängen sein.“

Seltsamerweise steht auf derselben Seite das genaue Gegenteil, ohne dass es der AfD aufzufallen scheint: „Die Gender-Forschung“, heißt es, sei bloß „politisch motiviert“, ergo unwissenschaftlich und solle deshalb nicht mehr staatlich finanziert werden.

Mit der Freiheit der Forschung und Lehre ist es also nicht sehr weit her. Das Problem ist nicht nur, dass die Partei bestimmte Forschungszweige einfach absägen will, wenn sie missliebe Ergebnisse produzieren. Denselben Vorschlag könnte die AfD übrigens auch für die Klimaforschung unterbreiten, deren Ergebnisse ihr Programm ebenfalls mit einer unangenehmen Realität konfrontieren.

Das Problem beginnt dort, wo die Politik vorgibt, was überhaupt Wissenschaft ist und was nicht. Frei ist die Wissenschaft als Institution erst dann, wenn sie das selber tun darf. Wo dieser Grundsatz einfach beerdigt wird, beginnt Ideologie – oder Gehirnwäsche.